Viehflüsterer Norbert Kluckner von der Hochfeldern Alm – „Almhirt ist mein Traumberuf“

Viehflüsterer Norbert Kluckner: "Almhirt ist mein Traumberuf", Foto: Knut Kuckel
Viehflüsterer Norbert Kluckner: "Almhirt ist mein Traumberuf", Foto: Knut Kuckel

„Alm-Hirt war immer schon mein Traumberuf“, erzählt uns Norbert Kluckner, „von Kind an“. Gelernt hat er alles, was ein guter Alm-Hirt wissen muss, vom Vater, der selbst 45 Jahre lang diesen Beruf ausübte. “…und der Norbert weiß viel über das Almwirtschafts-Handwerk”, sagt Pia. Gemeinsam mit Frau Pia bewirtschaftet Norbert Kluckner die Hochfeldern-Alm (1753 Meter Seehöhe). Im Sommer helfen die Kinder Stefanie, David und Florian. Pia regiert in der Küche am Holzherd.

Um Halb-Fünf kräht der Hahn

Norbert Kluckner: „Um 4-Uhr-30 in der Früh wird aufgestanden und dann schalte ich erst einmal den Graukas-Kessel ein, bis er eine Temperatur von 43 Grad erreicht hat“. Das dauert etwa zwei Stunden. Danach wird bis 6 Uhr gebuttert und bis 7-Uhr-30 die 15 Milchkühe gemolken. Im Verlaufe eines Almsommers werden ca. 20-tausend Liter Milch erzeugt und mindestens 500 Kilogramm Käse. Diese Produktionsleistung bringen um die 15 Milchkühe.

Berühmter Graukas von der Hochfeldern-Alm

Hygiene wird auf der Hochfeldern-Alm groß geschrieben: Nach dem Melken wird alles gründlich gereinigt, der Butterkübel, die Zentrifuge, die Melkmaschinen, Milchkammer und zum Schluss der Stall. Gefrühstückt wird gegen 8-Uhr-15 und 8-Uhr-30. „Höchstens zehn Minuten“, sagt Norbert. Mehr als eine Scheibe Brot und eine Tasse Tee braucht er um diese Zeit noch nicht. Gegen Mittag, längstens bis 14 Uhr, schiebt Norbert Küchendienst. Wenn er am Vormittag nicht alle Tiere gesehen hat, macht er sich am Nachmittag nochmal auf den Weg, ansonsten wird Graukas gemacht. Vom Kessel in ein Tuch zum Abtropfen, dann in Formen und gegen 17 Uhr kann er schon gegessen werden. Kenner wissen das und lassen sich diesen Genuss nicht entgehen. Der Graukas von der Hochfeldern-Alm ist berühmt. Das ist über das Gaistal hinaus bekannt.

Norbert, der Viehflüsterer

Das Vieh geht auf der 600-Hektar-großen Alm eigene Wege. Meistens in Gruppen und immer dem Futter nach. Da ist es nicht einfach, alle wieder zu sammeln. „Wie machst Du das?“, fragen wir Norbert Kluckner. Das Geheimnis lagert in seiner Lederumhängetasche: Jodiertes Viehsalz, Kleie und ein wenig Kraftfutter. „Wenn ich das Vieh rufe, kommt es aus allen Himmelsrichtungen zu mir“, so der Viehflüsterer, der schon mal feuchte Augen hat, wenn er über seine Tiere redet.Ohne dieses Beifutter würden die Tiere sehr schnell verwildern und man müsste sie regelrecht einfangen. Wir möchten gerne sehen, wie er das macht und Norbert erklärt sich spontan dazu bereit. Ein Schauspiel für die Almgäste, die das Spektakel mit ihren Kameras festhalten. Keine Alltagsmotive. Da lohnt sich schon einmal das Loslösen vom Gröstl, Kaiserschmarrn oder Graukas.

Zu kalt, viel Regen und vier Mal Schnee

Das Wetter war heuer insgesamt schlecht. Zu kalt, viel Regen und vier Mal schneite es. Schnee bis zur Hütte. Alm-Hirt Norbert Kluckner erzählt von einem furchterregenden Unwetter, Ende August: „Das war so ziemlich das Schlimmste, was ich hier in meinen 21 Jahren erlebt habe. Zuerst goss es in Strömen, dann kam der totale Nebel auf – ich konnte meine Hand, im Abstand zu einem Meter, nicht sehen – der Regen ging in Schnee über. Es fielen dicke Schneeflocken – in einer halben Stunden ca. 10 Zentimeter. Dann blitzte und donnerte es. Viele Blitze schlugen ein. Einer in das Drahtseil der neuen Talstation. Das ging einem durch Mark und Bein“. Der Spuk dauert gefühlt ewig und in Zeiteinheiten zwischen 15 und 30 Minuten. In diesem Wetter kam ein Tier ums Leben. Das bedeutet nach alter Tradition, dass beim Almabtrieb, im September, das Vieh nicht geschmückt wird.

Fotos: Knut Kuckel

Knut Kuckel

Journalist / Publizist. Herausgeber von:
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