26. April 2018
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Seeben-Alm: Alm-Hirt unter Hochspannung, Foto: Knut Kuckel
Seeben-Alm: Alm-Hirt unter Hochspannung, Foto: Knut Kuckel

Seeben-Alm – „Wenn die Bienen faul werden, wird’s Herbst“

“Wenn die Bie­nen faul wer­den, dann wird’s Herbst”, sagte Clau­dia Wig­gins, die in die­sen Tagen in einer ganz beson­de­ren Stim­mung ist. In einer Woche geht für Sie, ihren Mann und rund 500 Tiro­ler Berg­schafe der Alm­som­mer auf der Seeben-Alm zu Ende.

Bevor das Vieh wie­der ins Tal getrie­ben wird, möch­ten wir noch ein­mal einen ganz gewöhn­li­chen Alm­tag bei den Wig­gins erle­ben. 

1.566 Meter See­höhe, so steht es am Gie­bel der Seeben-Alm. Das wird dann ja wohl auch stim­men. Hier ist der 49jährige Ger­hard Wig­gins seit drei Jah­ren Alm­hirt, im Dienste der Unter­mie­min­ger Agrar­ge­mein­schaft Seeben-Alm. Von den 35 Mit­glie­der der Agrar­ge­mein­schaft brach­ten heuer acht Schaf– und sechs Vieh­bau­ern ihre Tiere auf die Alm.

Der Alm­hirt steht unter Hochspannung

Wenn für den Alm­hirt Ger­hard Wig­gins der Som­mer auf der Seeben-Alm erfolg­reich zu Ende gehen soll, dann muss er am 17./18. Sep­tem­ber exakt 480 Schafe und 66 Stück Jung­vieh zurück in die Obhut ihrer Bau­ern nach Mie­ming brin­gen. So viele Tiere über drei­ein­halb Monate zu schüt­zen und zu umsor­gen, ist ein Fulltime-Job. Auch für einen erfah­ren Alm­hir­ten wie den Ger­hard, der, wie die meis­ten in sei­nem Beruf, alles vom Vater gelernt hat. Ger­hard steht unter Hoch­span­nung. Er ist auf­ge­regt. So unter Hoch­span­nung erlebt man ihn sel­ten. Täg­lich besu­chen ihn die Schaf­bau­ern, um mit ihm über die Schaf­schoad, den Alm­ab­trieb zu reden. Das Alm-SMS ist ver­ant­wort­lich für die Unruhe auf der Alm. Ober­halb 1200 Meter soll es bald schneien und zwar hef­tig. Alles, was sich der Durch­schnitts­mensch unter schlech­tem Wet­ter vor­stellt, wird von den Lan­des­me­teo­ro­lo­gen vor­her­ge­sagt. “Jetzt ist keine Zeit mehr zu ver­lie­ren”, sagt Ger­hard Wig­gins zu Man­fred Krug, Obmann des Tscheg­gen­schaf­ver­eins Mie­ming. Man­fred hat uns an die­sem Tag auf die Seeben-Alm geführt.

Alle Tiere sind wohlauf

Bis zum heu­ti­gen Tag scheint alles gut gegan­gen zu sein. Alm­hirt Ger­hard Wig­gins ver­misst bis­lang keine Tiere und ob die alle wohl­auf sind, über­prüft er mehr­mals am Tag. Mit und ohne Fern­glas. Der Hirten-Alltag beginnt gegen 6-Uhr-30 und endet, “wenn die Arbeit getan ist”. Meist spät am Abend. Nach dem Auf­ste­hen wird als Ers­tes nach den Tie­ren geschaut. Die meis­ten haben sich in Grup­pen über das gesamte Alm­ge­biet ver­teilt. Ein paar sind heute sogar ober­halb der benach­bar­ten Hochfeldern-Alm gese­hen wor­den. “Im Sep­tem­ber gibt es für die Tiere nicht mehr so viele Fut­ter­plätze”, sagt Ger­hard Wig­gins, “da zie­hen die geüb­ten Klet­te­rer immer höher und höher auf die Berge”. Ohne Unter­lass, imm­mer auf der Suche nach Ess­ba­rem. Das wird jetzt knapp. “Die Schafe ver­sam­meln sich in die­ser Zeit ohne das Zutun Drit­ter rund um die Alm­hütte am Seeben-See”, hören wir von Man­fred Krug. Sie spü­ren, dass es heim geht und wenn sich Tier auf etwas freuen kön­nen, dann freuen sie sich sicher­lich auf die hei­mi­schen Wei­de­plätze. Da steht das Gras noch hoch, ist kräf­tig und frisch. Dort möchte Schaf am Ende des Alm­som­mers hin­ge­führt werden.

Ger­hard kennt alle Gesich­ter sei­ner Schafe

Mit Korn, Mais, Gerste, Salz, Kleie und Salz­stei­nen wer­den die Tiere zusätz­lich ver­sorgt. Sie brau­chen das Zusatz­fut­ter, aber vor allem die Mine­ra­lien, denn mit wegen die­ser mehr­fa­chen Drein­gabe am Alm­tag kom­men sie immer gerne frei­wil­lig zu ihrem Hir­ten. “Zäh­len kann man die Tiere nicht, weil hier oben alles zu groß­flä­chig und unüber­sicht­lich ist”, hören wir von Clau­dia Wig­gins, die uns aber sagt, wie das ihr Ger­hard macht: “Der kennt alle Tiere vom Aus­se­hen her und hat ein foto­gra­fi­sches Gedächt­nis”. Das scheint in den Genen eines guten Hir­ten zu lie­gen, denn diese Methode der “Vieh­zäh­lung” wird auch auf den Mie­min­ger Nach­bar­al­men Hoch­fel­dern und auf dem Mari­en­berg prak­ti­ziert. Auf der Seeben-Alm sind über­wie­gend Tiro­ler Berg­schafe auf den Hoch­wei­den. Weiße, Tscheg­gen, Schwarzkopf-Schafe und andere, aber vor allem soge­nannte Fleischschafe.

Die ganz beson­dere Geschichte des Ger­hard Wiggens

Hüt­ten­wir­tin Clau­dia Wig­gins und ihr Team bewir­ten bis zu 500 Wan­de­rer und Berg­ler an einem Tag auf der Seeben-Alm. Wenn die am Fens­ter zur Küche um Speck-Brot, Kaspress-Knödel, Haus­wurst oder Kai­ser­schmarrn anste­hen, muß alles Hand in Hand gehen. “Team­work ist hier oben wich­tig, sonst klappt gar nichts”, sagt Clau­dia, die am liebs­ten mit ihren Töch­tern San­dra, Mela­nie und Sohn Chris­to­pher das Hütten-Regiment schwingt. “Da weiß ich genau, ich kann mich auf jeden ver­las­sen und es klappt”. Die Fami­lie ist ein ein­ge­spiel­tes Team. Zuhause sind die Wig­gens drun­ten in Gar­misch. Dort haben sich Ger­hard und Clau­dia auch ken­nen­ge­lernt. Aber die zwei ver­bin­det eigent­lich noch eine ganz andere Geschichte: Ger­hard Wig­gins hat mit der Hei­rat den Nach­na­men sei­ner Frau ange­nom­men. Für ihn eine klare Sache. “Meine Fami­lie hatte näm­lich genug Stamm­hal­ter gehabt, aber bei den Wig­gins war das anders”. Dazu sagt Bru­der Simon: “Andere las­sen sich täto­wie­ren, um ihren Frauen zu impo­nie­ren, der Ger­hard macht das alles auf seine Art”.

Munde mit Kranz

Es wird dun­kel. Die Munde trägt im Abend­licht einen Kranz. Die Aus­sich­ten sind schlecht. Noch zwei Tage, dann wer­den die Hir­ten zum Abtrieb auf die Seeben-Alm kom­men und mit Ger­hard Wig­gins alle Tiere am Seeben-See zusam­men­trei­ben. So wie die Dinge aus­se­hen, wird es dann am Sams­tag, dem 17. Sep­tem­ber über an der Cobur­ger Hütte vor­bei, über die Grünstein­scharte, wie­der nach Hause gehen.


Fotos:
Knut Kuckel

Kontakt
Seeben-Alm
Familie Gerhard + Claudia Wiggens
6414 Mieming, Österreich
Tel.: +43 (676) 5946926

Öffnungszeiten: Ende Mai bis Oktober durchgehend

AG Seeben-Alm, Mieming, Obmann: Benjamin Kranebitter (Micheler Hof)

Knut Kuckel

Journalist / Publizist / Mediennetzwerker. Blogs, die ich schreibe:
Knut Kuckel - Persönliches Webportal
Medien News Blog" informiert über die Themenbereiche Medien, Journalismus und Kommunikation.
→ Mieming.online - Regionales Mediennetzwerk aus Mieming in Tirol.
→ Tirol.bayern - Grenzgänger und Gipfelstürmer

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