Freilichtbühne Seeben Alm – Almvieh und Wanderer begegnen sich Aug‘ in Aug‘

Treffpunkt Seeben Alm - Almvieh und Wanderer begegnen sich hautnah. Foto: Knut Kuckel
Treffpunkt Seeben Alm - Almvieh und Wanderer begegnen sich hautnah. Foto: Knut Kuckel

Früher als üblich kehrte das erste Vieh von der Seeben Alm auf die heimischen Herbstweideplätze zurück. Almhirt Gerhard Wiggens warnte die Almbauern in Untermieming: „Das Weidefutter wird knapp.“

So kam es am vergangenen Samstag auf der über 1575-Meter hoch gelegenen Seeben Alm zu einem nicht alltäglichen Schauspiel. Almvieh und Wanderer begegnen einander von Angesicht zu Angesicht. Die Zweibeiner zücken ihre Handys und teilen dieses seltene Erlebnis mit Gott und der Welt. Die Vierbeiner wundern sich über so viel unerwartetes Interesse ihrerseits.

„Wir mussten wirklich etwas tun“, sagt uns Almhirt Gerhard Wiggens. „Eine Kuh war abgestürzt. Vermutlich auf Futtersuche. Für die Schafe am Seebensee reicht es noch bis Mitte September, aber nicht mehr für das Vieh.“

Am Vorabend zum Samstag wurde das Vieh zur Koppel rund um die Almhütte getrieben. Dabei halfen neben anderen auch Martin Reich und Fabio Riml, die Hirten der benachbarten Feldernalpe. Die Situation auf ihrer Alpe ist noch besser. „Wenn das Wetter uns keinen Strich durch die Rechnung macht, bleibt es beim angekündigten Termin für den Viehabtrieb“, versichert Martin Reich. „Für den Almabtrieb von der Hochfeldern Alm nach Obermieming haben wir Samstag, den 16. September festgelegt.“ Die Obermieminger Almbauern und ihre Hirten machen das noch auf traditionelle Weise. 35 Kilometer müssen Mensch und Vieh bis zu ihrem Zielort in Mieming zurücklegen.

Noch härter ist die Schafschoad von der Seeben Alm nach Mieming. Für die „Schafschoad“ gibt es auch schon einen fixen Termin, sagt uns Benjamin Kranebitter: „Unsere Schafe werden am Tag darauf, am Sonntag, dem 17. September auf dem Fußweg – wie eh‘ und je‘ – vom Seebensee, über die Grünsteinscharte nach Untermieming geführt.“ Ziel ist eine Koppel am Gasthof Stiegl. Dort werden die Schafe getrennt und auf ihre Heimatweiden geführt. Daher kommt der Name „Schafschoad“.

Seit Anfang Juni weiden 450 Schafe und 66 Kälber, Mutterkühe und Rinder auf der Seeben Alm im Mieminger Gebirge, oberhalb der Seebenwände. Die Almwirtschaft wird von den Mitgliedern der Agrargemeinschaft Seebenalpe in Untermieming betrieben. Neuer Obmann der Agrargemeinschaft ist Benjamin Kranebitter (Michelerhof, Fiecht), der heuer in diesem Amt Armin Falch ablöst. Die Viehauftreiber der AG Seebenalpe sind – neben Benjamin Kranebitter – Bernhard Falkner, Thomas Schneider, Manfred Haider, Didi Oberdanner, Christian Maurer, Martin Maurer und Armin Falch.

„Mitte Mai kam unser Vieh auf den Vorberg“, so Benni Kranebitter. „Ende Juni kam unser Vieh auf die Seeben Alm. Ziemlich spät. Heuer war das Futter knapp, vor allem für das Großvieh. Vor zehn Tagen, am 20. August, haben schon ca. 15 Kälber von der Alm geholt. Da ist jetzt schon recht kalt.“

Die Agrargemeinschaft Seebenalpe/Untermieming ist eine sogenannte „Gemeindegutsagrargemeinschaft“ der Gemeinde Mieming. Verwaltet wird sie von Vize-Bürgermeister Martin Kapeller, der am Samstag ebenfalls zu den Helfern gehörte. „Immer auch eine gute Gelegenheit, um ins Gespräch zu kommen und zu schauen, ob und wie die baulichen Veränderungen umgesetzt wurden“, sagt er im Gespräch mit Mieming.online. Nach einem Steinschlagschutz im vergangenen Jahr, wurde heuer unweit des Hüttenbetriebes auf der Seeben Alm eine Gastankanlage installiert. „Darüber wurde jahrelang verhandelt“, so Martin Martin Kapeller. „Die Anlage erleichtert den Hüttenbetrieb. Früher waren noch Gasflaschen in Betrieb. Das ist nicht mehr zeitgemäß.“

Welche Pläne gibt es – mit Blick in die Zukunft – für die Seeben Alm. Die Frage stellen wir dem Obmann der Seebenalpe, Benjamin Kranebitter. Seine Antwort: „Die Hütte sollte in den nächsten zwei bis drei Jahren saniert werden. Mittelfristig möchten wir die Seeben Alm ans Stromnetz anschließen. Zurzeit läuft noch ein Aggregat. Wenn später mal die Zimmer im ersten Stock in Betrieb genommen werden, sollte Strom vorhanden sein. Im nächsten Jahr werden weitere Wasserstellen geschaffen, damit das Vieh auch entlegene Stellen der Alm gut beweiden kann und nicht viele Kilometer auf der Suche nach Wasser herabsteigen muss.“

Sandra Wiggens hat viel zu tun. Die Tochter der Almleute Claudia und Gerhard Wiggens, bedient die vielen Besucherinnen und Besucher am Hüttenausschank. Die scheinbar nie enden wollenden Schlangen vor ihrem Fenster, lassen darauf schließen, dass der Hüttenbetrieb auf der Seeben Alm sehr gut läuft.

„Ich beobachte heuer viel mehr Wanderer und Radler, die zu unserer Alm kommen als in den Vorjahren“, erzählt uns der frühere Obmann der Agrar Seebenalpe/Untermieming, Armin Falch. „Wandern und sich in der Natur zu bewegen, scheint wieder im Trend zu sein. Das ist gut so.“

Die Menschen, denen wir begegnen, bestätigen die Wahrnehmung Armin Falchs. Nicht wenige von ihnen zeigen an diesem Samstag großes Interesse für die Almwirtschaft. Sie stellen konkrete Fragen und bekommen aus berufenem Munde Antwort. Viel diskutiert ist die Frage: „Wie verhält man sich auf der Alm, wenn die Begegnung zwischen Vieh und Mensch unausweichlich ist?“

Vielen, auf ihrem Weg im Gaistaler Almengebiet (oder woanders), ist beispielsweise gar nicht bewusst, weshalb auf den Wegen Fahrzeuge verkehren müssen. Ohne Almwirtschaft gäbe es diese gut ausgebauten Wege nicht. Denken wir immer daran, wenn wir mal wieder ausweichen müssen, weil uns ein Auto überholt.

Vor Ort lässt sich auch anschaulich erklären, warum eine Mutterkuh ihr Kalb schützen möchte. Christian Maurer züchtet Pinzgauer Rinder, die er im Sommer zur Seeben Alm führt. Um sein Vieh in den Almviehtransporter von Martin Wegscheider zu führen, greift er sich erst ein Kalb. Danach geht alles wie von selbst. Das Vieh folgt ihm ruhig und geduldig auf die Rampe des Transporters. 

Martin Wegscheider aus Tulfes führt mit seinem Unternehmen ausschließlich Almviehtransporte durch. Sein Motto: „Unterwegs für die Tiroler Bauern.“ 

„Wir arbeiten sehr gerne mit Wegscheider“, hören wir dazu von Seeben-Alm-Obmann Benjamin Kranebitter. „Weil er nur Almvieh fährt und seine Wagen technisch auf dem neuesten Stand sind. Ausreichend belüftet und für das Vieh gebaut.“

Martin Wegscheider investiert seine Erfahrungen in die Technik seiner Fahrzeuge. „Schlachtviehtransporte lehnen wir ab, denn auf unseren Aufbauten steht Viehtransport mit Herz. Wir legen grössten Wert darauf, dass ein verständnisvoller und humaner Umgang gewährleistet ist.“ Diese Einstellung wird von den Tiroler Almbauern gerne gesehen. Sie rufen bei ihren Almviehtransporten deshalb alle in Tulfes an, um die Firma Wegschneider zu beauftragen.

Seeben Alm, Almwirtschaft, Hütte

Die Seebenalm (1575 m) liegt im Mieminger Gebirge in Tirol oberhalb der Seebenwände, südöstlich von Ehrwald und am nördlichen Fuße des Vorderen Tajakopfs. Der Aufstieg von Ehrwald aus erfolgt über die Ehrwalder Alm (2 1/2 Std.Gehzeit) den Immensteig oder den Seebener Klettersteig. Knapp 100 Höhenmeter oberhalb der Seebenalm präsentiert sich der Seebensee in traumhafter Bergkulisse

Aus: Mieming.online, 30.08.2017

Fotos: Knut Kuckel

 

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Knut Kuckel

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